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Nachwuchsspringer zu Gast bei Freunden

August 20th, 2015 | Posted by Hendrik Jaeschke in Fallschirmsport

SUNSET DFJW2014 KopieVom 2. bis zum 8. August fand in diesem Jahr wieder der alljährliche Deutsch-Französische Leistungslehrgang Fallschirmsport statt. Diesmal war der Austragungsort in Frankreich, im schönen Montbéliard, nahe der Schweizer Grenze. Dort bekamen 12 französische und 12 deutsche, junge Springer zwischen 16 und 26 Jahren die Gelegenheit, sich im Freefly oder RW coachen zu lassen. Leon Rollersbroich, einer der deutschen Teilnehmer, berichtet von seinen Erlebnissen und Eindrücken aus dem Lehrgang:

Als ich am späten Sonntagnachmittag, nach einer siebenstündigen Fahrt endlich im sonnigen Montbéliard ankam, trudelten auch die anderen Teilnehmer gerade nach und nach ein. Es wurde kurz Hallo gesagt, die Zelte wurden aufgebaut, aber da wir alle von der Anfahrt und der Hitze geschlaucht und die meisten ziemlich hungrig waren, war das erste Kennenlernen eher flüchtig und wir warteten, nachdem die Papiere gecheckt wurden, sehnsüchtig aufs Abendessen. Dort kamen wir das erste Mal mit unserem ständigen Wegbegleiter, dem Baguette in Kontakt, das uns in den folgenden Tagen wirklich bei jeder Mahlzeit begleitete. Zum Glück waren diese sehr lecker, so wie auch die zahlreichen, meist typisch französischen Hauptspeisen, die wir in dieser Woche noch alle von unseren Gastgebern serviert bekommen sollten. Dass es als Nachtisch immer wieder verschiedene Käseplatten gab, überraschte mich anfangs, war aber ebenfalls auf eine kulinarische Art und Weise sehr interessant.

Aber genug dazu. Nachdem wir am Abend aufgegessen hatten, die offizielle Begrüßung vorüber und die wichtigsten organisatorischen Sachen für den nächsten Tag geklärt waren, wollten wir alle nur noch ins Bett.

Am Montag war es endlich soweit. Als sich am Morgen die letzten tiefen Wolken verzogen hatten, wurde der Lehrgang mit seinem ersten Load eröffnet. Eine klasse Gelegenheit für mich und die anderen im Load, Montbéliard bei einer ordentlichen Außenlandung kennen zu lernen. Abgesehen von diesem ersten Load wurde aber immer gut abgesetzt.

EXIT1Abgesetzt wurde aus einer Soloy mit einer PS-Starken RollsRoyce-Turbine. Der Montag diente den Trainern in erster Linie dazu, die unterschiedlichen Leistungsstände der Teilnehmer einzuordnen. Die Springer konnten sich mit dem Platz und seinen Gegebenheiten vertraut machen und sich auf der Dropzone zurecht finden. Jeder bekam an diesem Tag die Gelegenheit zu vier bis fünf Sprüngen. Im Freifall und auch an den Kappen hielt sich jeder an die grundlegenden Regeln und es herrschte den gesamten Lehrgang über ein sehr saves und routiniertes Verhalten. Im letzten Load des Tages wurden wir nochmal mit einer wunderbaren Aussicht auf den Montblanc und die Alpen belohnt.

Der folgende Dienstag war der einzige Tag der Woche, an dem wegen des Wetters nicht gesprungen werden konnte. Die Zeit wurde jedoch nicht ungenutzt gelassen. Gemeinsam besuchten wir alle das örtliche Peugeot Museum und entdeckten dort verschiedenste Skurrilitäten, wie zum Beispiel ein Modell, das wie ein Boot aussah, aber leider nicht über die geringsten amphibischen Eigenschaften verfügte.

Danach versammelten wir uns alle in der Packhalle und veranstalteten eine Diskussionsrunde, bei der sich die Franzosen mit den Deutschen über Sicherheitsaspekte in unserem Sport austauschten. Jeder konnte seine Fragen stellen, die dann in der Runde besprochen wurden. Dabei kam heraus, dass der Fallschirmsport in Frankreich wesentlich strenger reguliert wird als in Deutschland. Ob das gut oder schlecht sei, darüber war man auf beiden Seiten geteilter Meinung.

Am Abend wurde mit allen zusammen der 20. Geburtstag der deutschen Teilnehmerin Michele Fuchs gefeiert. Zur ausgelassenen Stimmung trug vor allem der Franzose Vito bei, welcher mit seiner verrückten und lebendigen Art alle bei Laune hielt und somit erfolgreich für die Abendunterhaltung sorgte.

So schlecht das Wetter am Dienstag war, umso besser waren die darauffolgenden drei Tage. Um die verlorene Zeit vom Dienstag wieder aufzuholen, gingen die ersten Loads nun immer pünktlich um 8.30 Uhr hoch und es wurde bis kurz nach 21 Uhr gesprungen. Die Tankstopps wurden von den Trainern immer genutzt, um die Trainingsgruppen neu zu bilden, um für jeden Teilnehmer die maximale Förderung herauszuholen.

11erufihhkhnMit Erfolg! Jeder konnte sich in dieser Woche beträchtlich in seinen Leistungen steigern. Auch wenn es zwischendurch mal anstrengender wurde, blieb die Grundstimmung immer entspannt und es kam nie Hektik auf. Außerdem wurden die Gruppen immer gut durchmischt, sodass Deutsche und Franzosen viel in Kontakt kamen und zusammen sprangen. Schnell fanden wir in den Gruppen Mittel und Wege, anfänglich bestehende Sprachbarrieren zu durchbrechen.

Auch auf der Packmatte hörte das Lernen nicht auf. Hier konnten sich die ganz neuen Springer gut mit den Erfahreneren austauschen und neue Tipps und Tricks fürs Packen umsetzen. Wer nicht allzu packfaul war und bei der Hitze noch die nötige Energie hatte, fand zwischendurch auch noch Zeit für einen entspannten, erfrischenden Funjump mit seinen neuen Freunden. Am Donnerstag durfte sich Markus Winter, ein Teilnehmer der deutschen Gruppe, über eine kleine Abkühlung nach seinem 200. Sprung freuen, als er unten, bei der Landung mit den obligatorischen Wassereimern in Empfang genommen wurde.

Mein persönlicher Höhepunkt in dieser erfolgreichen Woche war der unglaubliche Abschluss- und Sunsetsprung am Freitagabend, welcher schon an einen Nachtsprung grenzte. Bei dieser unglaublich beeindruckenden Atmosphäre forderten wir unsere Trainer heraus und sprangen wie sie zuvor eine Sechserformation. Naja, wir konnten noch nicht so ganz mithalten, aber wir hatten mindestens genauso viel Spaß!

337190_345733572169856_1027427632_oDanach gab es eine ausschweifende Abschlussparty. Hier bekamen wir nochmal die Gelegenheit, gute Gespräche zu führen und viel von und über unsere neuen Bekanntschaften zu erfahren. Vito drehte nochmal voller Energie mit seinem Unterhaltungsprogramm auf. Es war alles dabei. Von französischen Gesangseinlagen, die im Stagediving endeten, über Slip-and-Slide-Action auf eingeseiften Plastikplanen, bis hin zu freien Kickboxtrainingseinheiten von Vito für Jedermann. Ja, wir hatten eine sehr geile Zeit!

Am nächsten Morgen war trotz schlechter Prognose springbares Wetter. Wer nicht zu zerstört von der Party war, konnte noch einen entspannten Guten-Morgen-Sprung mitnehmen. Fast alle Teilnehmer kamen in dieser Woche auf rund 20 Sprünge und damit voll auf ihre Kosten. Nach dem Mittagessen und unserem letzten Baguette reisten wir dann alle, um viele tolle Bekanntschaften reicher, wieder nach Hause in unsere jeweiligen Heimatorte. Die Zeit ging leider viel zu schnell vorbei, aber was bleibt, ist die Hoffnung, nächstes Jahr den einen oder anderen wiederzusehen. Ich kann nur jedem, der die Möglichkeit dazu bekommt, empfehlen, sich für diesen Lehrgang zu bewerben. Bis dahin, bleibt Save und Blue Skies!

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