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Winch & Wave – Camp Herbst 2016 – BAGUETTE, BUNTE WÄLDER UND BERGE

November 7th, 2016 | Posted by Konstantin Mahler in Segelflug

bild10Es gibt wohl kaum ein interessanteres und anspruchsvolleres Gebiet in Europa zum Segelfliegen als die Alpen. Da ich das schon länger einmal ausprobieren wollte, kam mir die Möglichkeit zur Teilnahme an einem einwöchigen „Schnupper“-Lehrgang der Gebirgsfliegerei gerade recht. Von dem Organisator und Fluglehrer Janik Eggler wurde bei der Anmeldung allerdings auch direkt klargestellt, dass man nach dieser einen Woche noch nicht alleine in den Alpen fliegen kann. Das Winch & Wave – Camp soll eher dazu dienen jungen Lizenzinhabern die Fliegerei in den Alpen näher zu bringen und dabei herauszufinden, ob einem die Gebirgsfliegerei liegt oder man doch lieber im Flachland weiterfliegt.

Am Samstag, 23.11.16 startete ich zusammen mit Katja, Judith und Florian aus Gera in unserer Fahrgemeinschaft in Richtung Landsberg am Lech, der Homebase vom Janik. Dort haben wir eine Nacht verbracht, um am nächsten Tag gemeinsam die restlichen 8 Autostunden in Richtung Hâute- Provance zu fahren. Mit dieser Etappenfahrt hängt auch Regel Nr. 1 zusammen: Nicht übermüdet ins Flugzeug steigen, denn die meisten Unfälle passieren am ersten Tag nach der Ankunft. Der Grund dafür ist, dass lange Autofahrten zu Übermüdung und damit Konzentrationsschwächen führen, die wiederum Fehler nach sich ziehen können. So kamen wir nach einer schönen Roadtour durch Österreich, Schweiz und Frankreich auf dem Flugplatz in Saint Auban an. Das Aérodrome de Château-Arnoux-Saint-Auban ist das Segelflugzentrum Frankreichs. Durch seine Lage in den Seealpen bietet es einen sehr guten Einstieg in die Gebirgsfliegerei. Direkt am Flugplatz trifft man eher auf mäßige Bergzüge, wenige Kilometer weiter dann schon die „großen“ Felswände an.

bild2Am Montagmorgen begann das Briefing, pünktlich 09:45, mit der allgemeinen Einführung und den Informationen zur Platzrunde und Anflugverfahren usw., sowie der Wettervorhersage für den Tag und eine kleine Vorschau für die Woche. Diese sagte jedoch nicht wirklich  vielversprechendes Hang- und Wellenflugwetter voraus. Nach der Beendigung des Briefings setzte sich Janik und Florian mit uns hin und wir besprachen wichtige Grundlagen des Hang-und Gebirgsfluges, wie zum Beispiel Vorflugregeln und die Entstehung der Hangwinde. Schnell bemerkten wir, dass wir nicht die einzigen sein werden, welche sich in den Luftraum von Saint Auban bewegen würden. Neben uns waren noch die Militärs mit ihren Segelfliegern, die Jugendnationalmannschaft zum Training, als auch eine Kunstflugausbildung. Also ein reges Treiben auf dem Flugplatz. Nachdem wir unsere beiden gecharterten Flugzeuge, ein Duo Discus und ein Janus aus der Halle geräumt und zum Start gebracht hatten, war es dann schon Nachmittags halb 2. Schnell merkte man wie entspannt alles hier zuging. Allerdings wurde es zu entspannt, denn die Flugleitung wollte keinen Windenstart rauslassen, solange die F-Schlepps am Laufen waren. Das hat uns dann fast 1,5 Stunden am Boden gelassen, bis wir uns dann schließlich dazwischen mogeln konnten. Es war auch dort am Platz eine neue Situation mit 2 F-Schlepp-Startpunkten, Windenstarts und Kunstflugsektor über dem Platz. So blieb also etwas Zeit die Wolken zu beobachten, die sich dort aller paar Minuten veränderten und neu formten. Wunderschön!

bild5Nach den anfänglichen organisatorischen Schwierigkeiten lief der Flugbetrieb dann auch bei uns. Mein erster Start in den Alpen, zugleich mein 500. Segelflugstart insgesamt. Trotz dass es nur eine Platzrunde geworden ist strömten dennoch eine menge Eindrücke bei dieser beeindruckenden Landschaft auf mich ein. Leider war der Tag danach auch schon vorbei, hungrig auf längere Flüge und auf das Abendbrot. Also machten wir uns Gemeinsam daran, das Abendrot in unserem Bungalow direkt am Flugplatz vorzubereiten. Die Abende vergingen wie im Fluge und die Truppe verstand sich hervorragend, wir lachten sehr viel. Neben uns Thüringern waren noch Manuel und Felix aus Landsberg, Alex aus Ludwigshafen, sowie Nico aus Celle dabei.

bild6Der Dienstag und der Mittwoch unserer Alpenfliegerwoche mussten leider fliegerisch abgesagt werden, da es geregnet hatte und der Platz zu nass für Windenstarts war. Dennoch hat uns das Schlechtwetterprogramm für die zwei Tage hervorragend getröstet. Der Ausflug in die Schlucht Grand Canyon du Verdon oder auf den Montagne de Lure brachten uns die Provence auch vom Boden näher und beeindruckten mindestens genauso.

Ab Donnerstag wurde das Wetter wieder schöner, fast schon zu schön. Laue 24°C, wolkenloser Sonnenschein, die Luft duftet nach provenceialische Kräutern…und kaum Wind und keine Thermik. Ein bisschen Hangfliegen an den sogenannte „Hinkelsteinen“ war möglich, ab und zu eine kleine Abendthermik zum Höhe halten. Jedoch war dies ein schöner Einstieg um unser gelerntes Wissen über die Hangfliegerei einzusetzen. Trotz des eher schlechten fliegerischen Wetters, konnten wir uns immerhin 45 min an den Hinkelsteinen halten. Dabei waren wir nicht alleine, sondern flogen mit 14 anderen Segelflugzeugen zusammen, welche fast alle die gleiche Höhe hatten. Dies war die beste Gelegenheit die Hangvorflugregeln aktiv einzusetzen und forderte eine Menge Aufmerksamkeit. Bei späteren Abendflügen an diesem Tag genossen wir die Aussicht aus der näheren Umgebung um den Flugplatz und saugten die warmen Sonnenstrahlen regelrecht auf, mit dem Gedanken bald wieder ins kalte Deutschland zurück zu müssen.

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Die Tage verwandelten sich in ein Spektakel aus herbstlichen Farben, Lichtspielen der Sonne beim Auf- und Untergehen und abendlichen Sternschnuppen zählen. Viele dieser Momente konnte man zwar mit der Kamera festhalten, die Bilder spiegeln aber nur einen Bruchteil dieser schönen Momente wieder. Letzten Endes wurde es eher ein Urlaub mit ein paar kleinen schönen Flügen als ein Fliegerurlaub mit Pausen. Um dann allerdings doch nochmal die Alpen aus einer anderen Perspektive gesehen zu haben, entschlossen sich Katja und ich dafür am Samstag als Einzige einen „Rockefeller-Schlepp“ auf die Spitze des Lure zu machen. Das war zwar nochmal eine etwas größere Investition, von der sich aber jede Flugsekunde gelohnt hat!

bild14Das war ein würdiger Ausklang dieser Woche. Um das schöne Wetter des restlichen Tages noch zu nutzen, fuhren wir noch zu einer kleinen Wanderrunde zu den „Hinkelsteinen“ und schauten uns diese, über die wir die Tage hinweggeflogen waren noch einmal von Nahem an.

Schweren Herzens, mit viel Baguette im Bauch, neuen Freunden und unzählig, wunderschönen und atemberaubenden Eindrücken machten wir uns am Sonntag dann wieder auf den Heimweg. Die 12-stündige Autofahrt verging gefühlt zu schnell, denn eigentlich wollten wir nicht so wirklich wieder zurück. In Thüringen angekommen erwarteten uns nur noch Temperaturen um 6°C und dichtester Nebel. Welcome back to Germany. Vielen Dank an unsere Fluglehrer Janik und Florian und an das gesamte Team für diese unvergesslich schöne Woche. Es hat Hunger auf mehr gemacht. I will come Back!

Bericht: Andreas Litzba

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Weitere Impressionen aus den Alpen:

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