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Deutschlandflug 2019 – Bericht Christian und Tristan

Juli 27th, 2019 | Posted by Konstantin Mahler in Deutschlandflug | Motorflug

Wir, Christian Weidemann aus dem LSC Hamm und Tristan Brack vom Segelflugverein Oerlinghausen, haben vom 19. bis zum 23. Juni am Deutschlandflug teilgenommen. Die Strecke führte von Braunschweig über Arnstadt und Burg Feuerstein nach Bad Wörishofen, teilgenommen haben 60 Flugzeuge, 30 davon in der Wettbewerbsgruppe. Für den Wettbewerb wurden wir von der Luftsportjugend finanziell gefördert.

Angefangen hat der Deutschlandflug für uns am Dienstag, als Christian morgens die Super Dimona (D-KDHA) des LSC Hamm nach Braunschweig geflogen hat, dort haben wir sie nachmittags mit Erdankern verzurrt, sodass sie die möglichen Gewitter unbeschadet übersteht.

Gestartet ist der Wettbewerb schließlich am Mittwoch, er begann am späten Nachmittag mit der Anmeldung im Gebäude des Daec am Flughafen. Da die Abstellfläche auf dem Segelfluggelände am Dienstag noch nicht zur Verfügung stand, parkten wir vom Dienstag auf den Mittwoch auf einer anderen Wiese. Deswegen haben wir nach der Anmeldung das Flugzeug noch einmal umgestellt, um für den nächsten Tag schon in der Startreihenfolge zu stehen. Kurz bevor die Gewitterfront Braunschweig erreicht hat, waren wir schließlich fertig und sind mit dem Bus zum Alten Rathaus in die Innenstadt gefahren, in dem die Auftaktveranstaltung um 19.00 Uhr angefangen hat. Wir wurden von den Veranstaltern des Deutschlandfluges willkommen geheißen, danach hielten der Geschäftsführer des Flughafens und der Sportdezernent jeweils eine Rede. Es wurde noch ein kurzes Briefing bezüglich der Wettbewerbsregeln gehalten, bevor das Essen begonnen hat, dabei konnten wir die anderen geförderten Jugendteams kennen lernen.

Am Donnerstag sind wir um 8.15 Uhr mit Bussen von den Hotels zum Flughafen gebracht worden. Am Flugzeug angekommen, haben wir das restliche Gepäck eingepackt und unsere „wichtigsten“ Bordinstrumente, den Logger zur Streckenaufzeichnung und 2 Funkwecker mit Sekundenanzeige, mit Tape ins Cockpit geklebt. Anschließend gab es ein Wetterbriefing, auf unserer Strecke sollte es keine Probleme mit Gewittern und Regen geben. Danach haben wir beide noch ein paar Kleinigkeiten abgesprochen und uns im Cockpit eingerichtet, anschließend haben wir auch schon unsere Aufgabe erhalten.

Generell läuft ein Motorflugwettbewerb folgendermaßen ab: Es fliegen alle die gleiche Strecke, die schnellsten Flugzeuge starten zuerst, danach wird immer im 2-Minutenabstand gestartet, sodass wir uns nicht in die Quere kommen. Die Aufgabe erhalten wir 30 Minuten vor unserer Startzeit an unserem Flugzeug. In dem Briefumschlag sind Karten im Maßstab 1:200000 mit eingezeichnetem Kurs, ein extra Zettel mit den zu fliegenden Zeiten und Steuerkursen, eine Wendepunktbeschreibung und ein Lösungsbogen für die Bilder enthalten. Zuerst haben wir die Zeiten und Kurse in die Karte übertragen, anschließend zeichneten wir mit einem Minutenlineal noch Markierungen ein, sodass wir zwischen den Wendepunkten sekundengenau unsere Position überprüfen konnten. 10 Minuten vor dem Start erhielten wir die Streckenfotos, diese werden nicht vorher ausgegeben, damit man sie nicht per Sattelitenaufnahmen schon im Voraus finden kann. Es gibt für jeden Wendepunkt (und Start- und Ziellinie) ein Foto, bei dem wir entscheiden mussten, ob die Aufnahme den Ort beschreibt. Außerdem gibt es Streckenfotos, die gefunden und in die Karte eingetragen werden müssen. Am Ende des Fluges muss man für die Fotos die Länge in mm von dem letzten Wendepunkt aus angeben. Damit wir die gefundenen Fotos schnell und übersichtlich streichen konnten, haben wir vorher einige Tapestreifen im Cockpit vorbereitet. Jeder Flug endet mit einer Ziellandung, die ebenfalls bewertet wird. Sobald das Flugzeug nach der Landung auf der Parkposition stand, hatten wir noch 10 Minuten Zeit, um den Lösungsbogen auszufüllen, dann mussten alle Zettel und der Logger abgegeben werden.

Christian war als Pilot für den exakten Flug nach Karte zuständig, er hat Ausschau nach eingezeichneten Dörfern gehalten und dauernd die aktuelle Position auf der Karte anhand der Funkwecker mit der tatsächlichen Position verglichen. Einen Wendepunkt mussten wir mit einer Differenz von +/- 2 Sekunden überfliegen, ansonsten gab es für jede Sekunde einen Strafpunkt (nur der Start hat ein Intervall von einer Minute). Tristan war der Beobachter und war für das Beurteilen der Wendepunktfotos und das Finden der Streckenbilder zuständig, an den Wendepunkten hat es zudem Christian mit Zeitangaben unterstützt.

Als Test für spätere Wettbewerbe konnte jedes Team, das Lust hatte, eine ANR-Aufgabe zwischen dem Überflug der Ziellinie und der Landung fliegen. Dazu erhielten wir ebenfalls eine Karte mit einem schmalen Korridor (Donnerstag 0,4NM und Freitag 0,2NM Breite) und einen Zettel mit Steuerkursen und Zeiten. Es ging darum, den Korridor nicht zu verlassen und wieder exakt die Zielfluglinie zu überfliegen.

Zurück zum Donnerstag: Gestartet sind wir um 10.42 Uhr. Die Strecke war 94,7 NM lang und dauerte 1 Stunde und 29 Minuten. Anfangs mussten wir uns noch in die ungewohnte Aufgabenstellung einarbeiten, somit haben wir die ersten Orte der Fotos überflogen, ohne sie zu finden. Von Zeit zu Zeit wurde es aber besser, nach dem ersten Flug waren wir letztendlich sehr zufrieden. Unsere ANR-Aufgabe konnten wir leider nicht fliegen, da die Karte dazu während des Fluges verschollen ist. Wir haben sie erst abends zufällig wieder im Flugzeug gefunden, für die Deutschlandflugwertung war das aber irrelevant. In Arnstadt angekommen haben wir eine Mittagspause gemacht, es gab ein weiteres Briefing und dann ging es mit dem Rundkurs los. Der einzige Unterschied ist, dass wir wieder am Startflugplatz statt woanders ankommen. In diesem Rundkurs wurde wieder ein kleines ein Experiment der Wettbewerbsleitung durchgeführt. Statt Aufnahmen aus einem Flugzeug wurden uns als Fotos Sattelitenaufnahmen gegeben. Der Vorteil besteht darin, dass in der Zukunft die Strecke nicht mehr von einem Fotografen abgeflogen werden muss. Da man nun aber nicht mehr den Aufnahmewinkel hat, ist das Finden der Orte um Einiges schwieriger geworden, auch die Aktualität der Farben der Felder (das meiste Getreide war z.B. noch grün und nicht gelb) hatten denselben Effekt. Letztendlich haben wir nur 2 von 16 Fotos gefunden. Über der Zielfluglinie war zu unserer Überflugszeit eine Gewitterzelle, somit konnten wir sie nicht erreichen und erhielten, wie einige andere Teams auch, Strafpunkte. Insgesamt erreichten wir den 19. Und 22. Platz. Am frühen Abend wurden wir mit Taxis zu den Hotels gebracht, danach ging es ins Brauhaus, wo es für alle Abendessen gab. Ziemlich erschöpft gingen wir danach ins Bett.

Am Freitag konnten wir ein bisschen ausschlafen, denn die Taxis kamen erst um 9.30 Uhr. Am Flugplatz angekommen, räumten wir wieder nach dem Briefing unser Flugzeug ein, bereiteten wieder 20 Tapestreifen vor und warteten auf die Aufgabe. Diesmal gab es wieder normale Luftaufnahmen, es viel uns also einfacher die Orte zu finden, aufgrund des ständigen Übergangs von Wald zu Feldern mit vielen kleinen Dörfern war unsere Ausbeute diesmal geringer. Wir haben auch bei den Minutenstrichen in der Karte eine andere Strategie ausprobiert, indem wir nur an markanten Punkten die Überprüfungszeiten eintrugen, im Nachhinein hat sich das aber als schwieriger erwiesen. Bei der Landung haben wir auch schlechter abgeschnitten, da wir erst kurz vor dem Aufsetzen gemerkt haben, dass die Landepiste doch mehr gewölbt als gedacht ist. Letztendlich erreichten wir den 27. Platz. Da es für einen weiteren Rundflug schon zu spät wurde, ist dieser gestrichen worden. Nach einer kleinen Stärkung am Flugplatz Burg Feuerstein ging es dann mit einem Bus zu den Hotels. An dem Abend gab es keine Abendveranstaltung, stattdessen konnten wir uns die Freizeit frei gestalten. Wir Jugendlichen waren zusammen unterwegs, zuerst haben wir in einem kleinen Lokal etwas gegessen, anschließend statteten wir dem Weinfest und der umliegenden Altstadt noch einen kleinen Besuch ab.

Am Samstag verließen wir die Hotels schon um 7.30 Uhr, denn die Wetterprognosen waren ziemlich ungewiss. Das Organisationsteam hatte am Vorabend schon kurzfristig Mietautos organisiert, nach zahlreichen Telefonaten mit dem DWD wurde dann aber beschlossen, einen freien Anflug (ohne Wertung) bis nach Augsburg zu fliegen, denn südlich der Donau war Hochnebel angekündigt und kurz nachdem dieser sich aufgelöst haben sollte, wurden schon Gewitter prognostiziert. Wenn es das Wetter zulassen würde, könnten wir einen Anflug auf Bad Wörishofen versuchen. Gestartet wurde wegen der knappen Zeit im 1-Minutentakt. Wie vorhergesagt wurde das Wetter südlich der Donau deutlich schlechter, vorausfliegende Flugzeuge meldeten aber gutes Wetter am Flugplatz. Somit schaffte es die Wettbewerbsgruppe doch per Flugzeug zum Zielflugzeug. Die Touringgruppe (gleicher Start- und Zielflugplatz, sonst eine andere Route und andere Aufgabentypen) kam jedoch per Bus von Aschaffenburg. In den Hotels hatten wir noch 2 Stunden Zeit zum Ausruhen, danach ging es zur Abschlussveranstaltung beider Gruppen. Nach einigen Reden der Veranstalter und des Bürgermeisters wurde typisch bayrisch gegessen. Danach begann die Siegerehrung, zuerst in der Touringgruppe, danach in der Wettbewerbsgruppe. Wir beide erreichten den dritten Platz in der Jugendwertung (Gesamtplatzierung 20.), worüber wir uns sehr freuten. Landesieger wurde ebenfalls ein Jugendteam. Abschließend ließen wir den Abend gemütlich ausklingen und machten uns gegen Mitternacht zum Hotel auf.

Am Sonntag machten sich alle Flugzeuge auf den Heimflug. Wir waren zwar schon um 9.00 Uhr am Flugplatz, dass Wetter ließ aber erst um 11 Uhr einen Start zu. Wir starteten nacheinander mit den Jugendteams und Bekannten im UL und flogen anschließend 10 Minuten im Formationsflug, um gegenseitig auch mal Fotos „von außen“ zu schießen. Danach trennten wir uns und jeder flog seinen eigenen Kurs. Für uns führte der Weg an Stuttgart vorbei in Richtung Frankfurt. Kurz davor sank jedoch die Wolkenbasis stark ab und die Hügel wurden immer höher. Wir haben schon einen alternativen Flugweg herausgesucht, die ATIS von Frankfurt gehört (Das letzte Mal, als wir so etwas gehört haben, war zur Theorieprüfung. Alle wichtigen Infos konnten wir trotzdem verstehen 😉), letztendlich hat es aber mit den Mindestflugabständen zu den Wolken und zum Boden doch gepasst. Nach dem Odenwald wurde es deutlich besser und wir näherten uns Frankfurt. Dort mussten wir immer weiter absinken, um nicht in die Charlie-Lufträume zu fliegen. Nördlich davon konnten wir endlich mal höher fliegen, um mit 40 Km/h Rückenwind nachhause fliegen zu können. Um 14 Uhr landeten wir in Hamm und der Deutschlandflug 2019 ist damit zu Ende gegangen. Insgesamt sind wir 10 Stunden und 850 km geflogen.

Abschließend können wir sagen, dass wir Einiges dazu gelernt haben: Das exakte Fliegen ohne GPS, bei dem es darauf ankommt, auf Sekunden genau einzelne Gebäude anzufliegen und die Orientierung nur anhand von Karten über eine solche Strecke zu behalten, war für uns in dem Maße neu, ebenfalls das systematische Erkennen von Landschaftsmerkmalen. Aber auch unsere Teamarbeit ist immer besser geworden, im letzten Flug haben wir nur noch einige knappe Worte gebraucht, um uns zu verständigen und die effiziente Aufgabenteilung ist immer besser geworden.

Die Bundeskommission Motorflug förderte 3 Jugendteams mit jeweils 1500 Euro, ermöglicht wurde diese Förderung der Luftsportjugend, unsere Bewerbung ist angenommen worden und somit haben wir für diesen Wettbewerb kaum etwas bezahlen müssen. Für diese Förderung wollen wir uns bei der Luftportjugend und der Motorflugkommission des Daec herzlichst bedanken!!!

Die Förderung ist für Jugendliche eine einmalige Chance an einer Motorflugrallye im finanziell möglichen Rahmen teilzunehmen. Wir beide empfehlen jedem jugendlichen Leser, der Motorsegler, UL oder Motorflugzeuge fliegt, sich in einem Jahr auf die Förderung des Deutschlandfluges 2021 zu bewerben. Ihr lernt viele nette Menschen aus ganz Deutschland kennen, lernt navigatorisch Einiges dazu und seht einmal Deutschland in einer zusammenhängenden Etappe von oben! Uns hat es so gut gefallen, dass wir in zwei Jahren auch wieder daran teilnehmen wollen.

PS: Christian hat einen Youtube-Kanal (Christian Gliderpilot), in dem er auch vom Deutschlandflug berichtet hat.

 

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