des Deutschen Aero Club e.V.
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IACE 2018 Niederlande

Dezember 8th, 2018 | Posted by Konstantin Mahler in International Air Cadet Exchange

„Welcome to a world of friendship and aviation!”

Unter diesem Motto hatte ich im Juli 2018 die Möglichkeit als Air Cadet Deutschland in den Niederlanden zu vertreten. Und diese Freundschaft und Luftfahrtbegeisterung konnte ich definitiv erleben!

Der International Air Cadet Exchange ist ein seit 1946 bestehendes internationales Austauschprogramm für luftfahrtbegeisterte, engagierte Jugendliche. Es ermöglicht einen zweiwöchigen Aufenthalt in einem Partnerland, voll mit kulturellen und vor allem fliegerischen Programmpunkten in einem internationalen Umfeld. Ich habe über meine Mitgliedschaft in der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt von dem Programm erfahren. Neben der DGLR als zivilem Partner unterstützen vor allem die Bundeswehr und die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie den IACE in Deutschland. Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bewerbung sind ein ansprechendes Motivationsschreiben und Empfehlungsschreiben, welche die Begeisterung und das Interesse des Bewerbers für die Luftfahrt darlegen, sowie Zertifikate über besonderes Engagement und ein Lebenslauf.

Bevor der Austausch stattfand, konnten sich alle 13 deutschen Kadetten anlässlich eines Vortreffens bei der Flugbereitschaft BMVg in Köln-Wahn kennenlernen. Die Hintergründe des Austausches wurden dargelegt und die Richtlinien erläutert. Selbstverständlich waren die Vorstellung der Flugbereitschaft selbst und die Führung durch die Flugzeuge das Highlight des Tages.
Von Frankfurt aus ging es dann Mitte Juli nach Schiphol, Amsterdam. Dass der IACE ein in der Luftfahrt durchaus bekanntes Programm mit langer Tradition ist, wurde mir schon beim Boarding der Lufthansa Maschine bewusst. Da ich in Uniform reiste sprach mich der Pilot auf den IACE an, er war selbst vor 30 Jahren als Kadett in Norwegen gewesen!

Von Schiphol aus ging es zur Korporaal Van Oudheusdenkazerne – Hilversum, einer Kaserne der niederländischen Armee, unsere Unterkunft für die nächsten zwei Wochen. Dort traf ich die anderen Kadetten, insgesamt 17 Personen aus Kanada, Australien, Großbritannien, der Schweiz, den USA, Frankreich, Hong Kong, Südkorea und natürlich den Niederlanden. Wir sollten in den nächsten zwei Wochen genug Chancen haben uns näher kennenzulernen, trotz eines sehr dichten und interessanten Programms.

Mit der Besichtigung des Nationalen Niederländischen Militärmuseums in Soesterberg begann der offizielle Teil des Programms. Doch wir konnten nicht nur die Flugzeuge und Objekte in der öffentlichen Ausstellung bewundern, uns wurde auch exklusiv die Möglichkeit eröffnet einen Blick in das eigentlich nicht für die Öffentlichkeit zugängliche Archiv des Museums zu werfen, mit allerhand fliegerischen Schmuckstücken wie einer Alouette II, diversen Fokker Maschinen, einem F104 – Starfighter und einer Fouga Magister.

Mit einer größeren Maschine hatten wir es bei KLM Maintenance zu tun. Wir konnten in einer B747 neben dem Frachtraum und den Crewräumen auch das Cockpit erkunden. Einmalige Einblicke in die offenen Triebwerke oder die Blackbox waren inklusive. Ein für mich persönlich sehr interessanter Programmpunkt war der Besuch der Technischen Universität Delft. Die dortige Fakultät für Luft- und Raumfahrt ist die größte Europas und überzeugt durch Zusammenarbeit mit national und international führenden Unternehmen und interessanten Praxisprojekten im Rahmen des Studiums. Auch die drei Windkanäle oder die zahlreichen Versuchseinrichtungen beispielsweise zur Materialprüfung können einen Maschinenbaustudenten direkt neidisch machen! Nicht nur die Luftfahrt stand auf dem Programm; Beim Besuch der ESA – ESTEC in Noordwijk konnten wir in noch höhere Sphären vorstoßen: Nach einem virtuellen Rundgang durch die wichtigste Forschungseinrichtung der europäischen Raumfahrtagentur konnten wir selbst beispielsweise einen Blick in ein Mock-up des europäischen Moduls Columbus der ISS werfen.

Neben der Unterbringung in der Kaserne zeigten sich die niederländischen Streitkräfte auch bei der Vorstellung ihrer Luftwaffenbasen sehr gastfreundlich. Wir wurden bei den Besichtigungen der Luftwaffenbasen Volkel, Eindhoven und Gilze-Rijen jeweils vom Standortkommandierenden empfangen. Nach einem kurzen Vortrag über die jeweiligen Aufgaben öffneten uns die Mechaniker die Hangartore oder auch die Piloten die Fluggerättüren und wir konnten eine F16 Fighting Falcon, eine C-130 Hercules, einen AH-64 Apache oder einen CH-47 Chinook aus nächster Nähe betrachten. Auch die persönlichen Gespräche mit den Soldatinnen und Soldaten waren bereichernd. So konnten unsere Fragen zum air-to-air refueling, der Wartung des Apache Hubschraubers oder der Organisation des European Air Transport Command beantwortet werden. Ein Highlight unserer drei Tage bei der Niederländischen Luftwaffe war sicher in Volkel. Dort konnten wir aus nächster Nähe am Rand der Startbahn den Start von sechs F16 Maschinen erleben – ein wahrer Gänsehautmoment!

Zu einem Luftfahrtaustauschprogramm gehört natürlich auch die fliegerische Erfahrung. So konnte ich bei perfektem Wetter und angenehm warmen 37° Celsius meinen ersten Segelflug überhaupt erleben. Eine gute halbe Stunde auf dem Rücksitz eines ASK 21 mit Blick über ein sehr flaches, aber vielfältiges Land. Vom Segelflug ging es dann als Steigerung über zum Motorflug. Auf Einladung des ältesten noch bestehenden Aeroclubs Europas in Rotterdam durfte ich einen wunderbaren Überflug über den Hafen und die Stadt in einer Piper genießen. Einmalige Eindrücke, die ich so schnell nicht vergessen werde. Als weitere Steigerung tauschten wir bei KLM Flight Training den einen Turboprop gegen zwei Jet-Triebwerke einer B737. Im Full Flight Simulator konnte ich eine unglaubliche halbe Stunde erleben, in der ich mich wirklich wie in einem echten Cockpit fühlte!

Auch die kulturellen Aktivitäten kamen in diesen zwei Wochen nicht zu kurz. Um die Niederlande besser kennen zu lernen waren der Besuch des Frachthafens Rotterdam, des Rijksmuseums Amsterdam und Führungen durch Delft, Utrecht und Amsterdam Programm- und Höhepunkte. Auch an den Host-Family Weekends bei außergewöhnlich engagierten Gastfamilien bekamen wir einen Einblick in die niederländische Lebensweise und Kultur.

Zu den Eindrücken des offiziellen Programms waren auch die Abende mit den anderen Kadetten eine wertvolle Erfahrung. Mit Englisch als Sprache der Luftfahrt war eine problemlose Kommunikation in diesem internationalen Umfeld mit Jugendlichen aus vielen Ländern möglich und die Luftfahrt stand als Gesprächsthema immer parat. Denn das ist es was die Teilnehmer dieses Programms verbindet, ob als Segelflieger, Maschinenbaustudent, angehender Kampfpilot, Fluglotse in Ausbildung oder Air Cadet in einer Jugendorganisation, alle spüren diese Leidenschaft für die Fliegerei. Damit hat dieser Austausch das gesetzte Ziel erreicht; Freundschaften in der internationalen Luftfahrt unter jungen zukünftigen Führungspersönlichkeiten zu fördern und die Faszination für die internationale Luftfahrt zu stärken und diese „world of friendship and aviation“ erfahrbar zu machen.

Diesen IACE – Spirit in Worte zu fassen ist sehr schwer. Man muss es selbst erlebt haben! So kann ich jedem luftfahrtinteressierten Jugendlichen zwischen 18 und 20 Jahren nur empfehlen sich selbst für den IACE zu bewerben. Oder wenn man (noch) nicht im richtigen Alter ist, dieses Programm an andere junge Leute weiter zu leiten. Weitere Informationen und Erfahrungsberichte gibt es im Internet unter iacea.com oder iacegermany.de.

Ich hatte die Möglichkeit in zwei Wochen ein Land kennenzulernen, das sehr stolz auf seine Luftfahrtindustrie ist, ob auf die nationale Fluggesellschaft KLM, den ehemaligen Flugzeughersteller Fokker oder den Flughafen Schiphol. Dafür möchte ich mich beim deutschen IACE Komitee bedanken, engagierte junge Leute die freiwillig viele Stunden an der Organisation des IACE in Deutschland arbeiten. Außerdem möchte ich mich bei der Berufsschule 1 Augsburg, besonders bei der Fachgruppe 4 und der Hochschule Augsburg für die Unterstützung bedanken. Vor allem gebührt auch ein großer Dank der Ausbildungsabteilung von AIRBUS Helicopters Donauwörth für die Unterstützung bei der Bewerbung und der Ermöglichung der Teilnahme.

David Fleiner

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