des Deutschen Aero Club e.V.
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LSV Lindlar – Mehr als nur ein Segelflugverein

August 10th, 2016 | Posted by Konstantin Mahler in Frauen im Luftsport | Segelflug

IMG-20160721-WA0002Am 21. Juli war es endlich so weit, mein größter Traum ging in Erfüllung, den Himmel und ein Flugzeug ganz allein für sich haben.
Aber bis dahin war es ein langer und steiniger Weg, von dem ich nun etwas berichten möchte.

Seit ich 7 bin träume ich davon zu fliegen, wie wahrscheinlich jedes zweite Kind in diesem Alter.
Und so habe ich es natürlich auch über jegliche Anlaufstellen versucht, mein Trau zum Beruf zu machen. Jedoch war dieser Weg, zum Glück ohne Erfolg. Schon da habe ich gemerkt, dass die Männer eindeutig in der Überzahl sind, doch das hätte mich nie davon abgehalten mein Traum zu verwirklichen.
Durch einen Gastflug beim LSV Lindlar, war ich schon während dem Windenstart von dem Segelfliegen begeistert, nach einer Woche war ich dann Vereinsmitglied und konnte meine ersten Flüge im Flugbuch verzeichnen. Zwei Wochen später stand das Fliegerlager an, ich musste mich zügig entscheiden, ob ich mit wollte oder nicht. Die Entscheidung war schnell gefallen, dennoch hatte ich ein bisschen Bedenken, da ich das einzige Mädchen im Verein war und leider auch noch bin. Aber ich bereue es nicht, es war einer der besten Urlaube. Ich habe viele fliegerische Fortschritte gemacht und es gab viele schöne Vereinsabende. Nach dem Fliegerlager war es nun an der Zeit, das gelernte an unserem Platz fortzuführen. Allerdings sollte es nicht so einfach werden. Unser Flugplatz ist auf den ersten Blick nicht direkt als Flugplatz zu erkennen. Er ist krumm, hügelig und auf einer Seite abgeschirmt von einem Wald. Somit habe ich gefühlt, bei Start und Landung wieder bei null angefangen, wo ich doch im Fliegerlager kurz vorm Alleinflug stand.
An den kommenden Wochenenden habe ich nur den Start und die Landung geübt und bin eine Platzrunde nach der anderen geflogen. Jedes Mal hatte ich andere Probleme, außer eins das begleitete mich über 140 Starts, das Abfangen. Im Nachhinein tut mir unsere ASK13 schon etwas leid, so viele härtere Landungen habe ich gemacht.
In der Winterpause hieß es dann Flugzeuge warten, da ich in einem technischen Beruf arbeite war das besonders interessant für mich. So entschloss ich mich auch dafür noch den technischen Ausweis zu bekommen, um unsere Werkstattleiter zu unterstützen. Auch da war ich als Mädel zwar wieder in der Minderheit, aber auch das hat mich nicht wirklich gestört. Es ist eher schade, dass man so wenige Frauen beim Segelfliegen und in technischen Angelegenheiten wiederfindet.
Zum Anfang der Saison ging es dann direkt weiter, Start, Landung, Start, Landung, Start, Landung und immer so weiter. Aber das Abfangen wollte immer noch nicht so richtig funktionieren.
Langsam verließ mich auch die Motivation, obwohl mir jeder im Verein gut zugesprochen hatte, aber ich war einfach von mir selbst enttäuscht.
Langsam stellte ich mir die Frage, ob ich irgendwann wirklich mal allein in einem Flieger sitzen würde.
Doch wer hätte es gedacht, am dritten Tag im Fliegerlager, welches zuhause am Platz war, hatte ich die Kunst des Abfangens raus. Am nächsten Tag habe ich dann noch 2 gute Landungen hinbekommen und dann war es plötzlich soweit. Ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass ich mich an diesem Tag frei fliegen dürfe. Doch zu meinem dritten Start war es dann soweit, ich hatte es gar nicht gemerkt, dass mein Fluglehrer seinen Fallschirm weggebracht hatte. Erst durch ein anderes Vereinsmitglied wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass ich nun allein im Flugzeug sitzen würde. Ich hatte gar keine Zeit nervös zu werden. Und schneller als ich über alles nachdenken konnte hatte ich die drei A-Starts schon hinter mir. Und natürlich durften die Rituale auch nicht fehlen, so gab es einen stacheligen Strauß, ein Klaps auf den Hintern und eine Dusche.
Ich war so glücklich wie ein Honigkuchenpferd. In den darauf folgenden Tagen habe ich viele weitere Alleinflüge auf unserer ASK13 absolviert, bis ich eine Woche später schon auf die ASK21 umgeschult worden bin. Nun freue ich mich riesig auf die nächsten Schritte die folgen werden.

Bericht: Julia Kaiser

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